2007-03-26
Snowdays 2007 – Zwei Tage weit ab jeder Lawine

Endlich die eigene Line in die frisch verschneiten Hänge der Fideriser Heuberge ziehen: Wer hätte nach einem solch "beschissenen" Winter noch erwartet, frisch überzuckerte Hänge weit ab jeder Zivilisation zu finden? Ich nicht – doch bei den alljährlich stattfindenden Snowdays erlebten wir eine Überraschung.

Snowdays. Nein, solche Tage machten sich diesen Winter rar. In St. Gallen glaubte kaum jemand mehr ans Freeriden, was in nicht sehr verständnisvollen Blicken einzelner Passanten uns gegenüber zum Ausdruck kam. Bepackt mit Rucksack, Helm, Lawinenschaufel und unserem Board respektive den Skiern, nur zu froh, endlich für zwei Tage aus dieser grauen Menschenmasse auszubrechen zu können.

Der WWF und der SAC luden zu zwei Tagen Freeriden und allem was dazugehörte. Dem respektvollen Umgang mit der Natur, aber auch der eigenen Sicherheit war dieser Kurs gewidmet. "Ride hard, ride free, respect nature" – nicht mehr, aber auch nicht weniger. Treffender könnte man die zwei Tage gar nicht umschreiben.

Nach unserem Eintreffen im frühlingshaften Jenaz fehlte erstmal jede Spur von Schnee, vom Pülverli auf den Bündner Gipfeln weit über uns abgesehen. Ausgerüstet mit den lebenswichtigsten Utensilien eines jeden Freeriders – nämlich LSV, Schaufel, Sonde und Schneeschuhen – führte uns ein kurvenreicher Pfad auf über 2000 Meter über Meer zu den Fideriser Heubergen.

Den anstrengenden und schweisstreibenden Aufstieg zum Mattjisch Horn (2461 m.ü.M.) sparten wir uns für den zweiten Tag, dann, wenn erst einmal jeder den Schnee zu lesen vermochte. Somit durften wir uns fast ausschliesslich dem wunderbaren Powder widmen, natürlich bequem erreicht mit dem Skilift. Nebst kleinen Theorieblöcken über den Schnee an sich und den Lebensraum Alpen im Allgemeinen, wurde die Verbindung zur Natur in allen Bereichen gesucht. Was hilft es dem Verständnis, was nun Triebschnee sei, dies auf einem Blatt Papier zu lesen? Nicht viel. Der Bezug zur echten Natur ist viel eindrücklicher und spannender – die Theorie, welche Lebensnotwendig ist, gehört eindeutig, wie das Weekend gezeigt hat, nach draussen in den Schnee!

Der eigentliche Spass des Weekends ist jedoch wirklich schwer in Worte zu fassen. Für mich war es einfach schön, zwei Tage weg zu sein, unter Gleichaltrigen, die unendlich viel Freude ausstrahlten und mit viel Herz bei der Sache waren. Einem Team von Bergführern, die um unsere Sicherheit bemüht waren und dem den ganzen Winter über vermissten Powder, der jedes Freerider Herz in Ekstase versetzte – mehr brauchte ich nicht zum glücklich sein.

Der kommende Tag hatte viel zu versprechen. Der erste Blick am Morgen zeigte, dass es sich gelohnt hatte, früh ins Bett zu gehen. Die Partyfreudigen Jugendlichen hatten mit ihren müden Gliedern eher Mühe... Strahlend blauer Himmel erwartete uns, funkelnde Schneekristalle und ein leichter Wind, einfach zu perfekt. Da waren alle Sorgen des Alltags wie vom Winde verweht. Nur noch einer rief, der Berg.

Die Skipisten hoch, nach rechts, immer weiter nach oben, vorbei an Hängen, tief in weiss gehüllt, kam der Gipfel greifbar näher. 500 Höhenmeter, ein "Klax", da wichen die Schweisstropfen auf der Stirn schnell einem lauten Freudenschrei. Was wohl noch kommen mochte? Runter!!! Eine frische Line in einen Traum von Schnee ziehen. Fantastisch!

Mehr gibt es da nicht zu sagen, dazu bin ich auch heute noch zu überwältigt. Ein perfekter Mix aus coolen Leuten, viel Schnee und einer super Stimmung. Mir werden diese zwei Tage sicher noch lange in bester Erinnerung bleiben, bis es nächstes Jahr wieder heisst: "Ride hard, ride free, respect nature".