2006-06-17
Der Krämer kramt in seinen Sachen

Endlich, auf diesen Tag habe ich lange gewartet! Intellektuell und unterhaltsam zugleich sollte er werden. Kabarett ist nicht aller Tage zu Gast in St. Gallen, und dazu noch aus der ach so "grossen" Weltstadt Berlin.

Tückisch, hinterhältig und böse, das sind heute ja alle. Hier kommt Sebastian Krämer, der Kabarettist, der eine allzu Gemeinheiten geile Zuhörerschaft auch gerne mal mit Liebheit brüskiert. Tönt hochgestochen. Ein Mann von Welt muss dies wohl wissen. Ist er so anders der Krämer? Man gestatte mir, ihn beim Nachnamen zu nennen. Ein Krämer im wahrsten Sinne des Wortes ist jedoch tatsächlich an ihm verloren gegangen. Ausser, dass er seine Krawatte gerne etwas anders bindet, als die meisten, ist eigentlich ganz normal. Kein Anschein von Tuntenhaftigkeit, wie man sich Kabarettisten meist vorstellen mag.

"Die Welt braucht keine Jongleure. Doch Jongleure brauchen die Welt." Funktioniert auch mit Kabarettisten. Stellt sich also die Frage, was ist mit Krämer? Ehrlich gesagt fragte ich mich das im ersten Teil des Abends auch ernsthaft – den Krämer brauchen wir nicht. Nachdem ich aber gezwungen war, dem Künstler bis zu seiner letzten Silbe zu folgen, da meine Kamera kurzerhand von Krämer in Beschlag genommen wurde, führte ich mir auch den zweiten, mit Abstand besseren Teil zu Gemüte. Danke!

Endlich wurde der Abend zu dem, wie ihn alle erwarteten. Ein Vortrag, obskurer und komischer als der andere, vorgetragen mit dem Charme längst vergangener Zeiten. Da wurde kein Halt vor dem steppenden Mond, der "Migros"-Göttin gemacht. Ein Programm, das Hände und Füsse hatte, die Zuschauer zum Mitmachen bewog. Trotz zaghaften Steppversuchen, sahen wir am Schluss die meisten einen steppenden Mond, sofern dies überhaupt möglich ist.

"Seid ihr im Haus?" – Was soll denn das? Kennen wir doch alle, nur nicht im Deutschen, ein sehr klischeehafter Spruch aus dem HipHop. HipHop ist tatsächlich was Klischeehaftes, denn die wippenden Hände sind für Krämer mehr eine Art von Parkinson, daher auch die wilden Zuckungen bei jedem Wort.

Bin ich froh, bin ich geblieben! Eins habe ich jedoch den ganzen Abend vergebens gesucht: den roten Faden, welcher im ganzen Programm zu fehlen schien. Schade eigentlich, denn können täte es, der Krämer. Wir brauchen wohl doch Kabarettisten.