2006-06-13
SUFO – Das Forum

Heiss darauf, über das Gesagte vom Vorabend zu diskutieren, stand der zweite Tag des SUFO`s ganz im Zeichen des Austausches von Gedanken rund um unsere Umwelt und unseres sozialen Umfelds. Ein Tag mit Unmengen an Eindrücken, Erfahrungen und unvergesslichen Augenblicken.

Heute endlich ans SUFO! Was ich letztes Jahr leider nicht geschaffte, musste heute nachgeholt werden: Diskussionen über jene Themen zu führen, welche unter den Nägeln brennen, dazu ein multikulturelles Fest zu geniessen und sich in die laue Nacht hinaus tragen zu lassen.

13.00 Uhr. Verspätet traf auch ich noch ein. Die Teilnehmer der Workshops waren bereits etwas früher auf den Beinen. Was am Morgen geschah, kann ich nicht sagen. Der Mittag stand jedoch ganz im Zeichen eins multikulturellen Festes mit indischen und somalischen Spezialitäten. Dazu zählten etwa indische Teigtaschen, Samosas genannt, welche mit Kartoffeln, Gemüse oder Obst gefüllt werden, gemischt mit einer Prise serbischem Volkstanz, Burni Aman, weiblichem HipHop aus Südafrika, Pedro Lenz, dem hoch gewachsenen Berner Slam Poeten und der nubisch-, marokkanischen Nile Group. Allgegenwärtig sind die strahlenden Gesichter der Teilnehmer, welche sich auf weitere interessante Workshops freuen.

Im Grunde hatte ich mir eigentlich den Besuch mehrerer Workshops vorgenommen, doch bereits das erste Thema liess mich nicht mehr los, und schneller als mir lieb war, waren die zwei Stunden verflogen. "Peacekeeping – gewaltfrei intervenieren": Was heisst das nun schon wieder? Jeder kennt jene Situationen, in denen man gerne was sagen will, aber nicht kann, einfach jemanden packen will und sagen "He Büäbli, so goht das nöd!". Wie meistern wir diese alltägliche Situation, welche wir uns stellen müssen? Gibt es ein Allerweltsrezept? Jeder kennt diesen Umstand, genau vor dem Punkt zu stehen, einfach auszubrechen, und nur noch auf das Gegenüber einzudreschen, nicht mehr Herr seiner selbst zu sein.

Wie verhalte ich mich etwa an einer gewaltfreien Demo, wenn sich einer aus der Gruppe mit Gewalt gegen die Polizei zu behaupten versucht? Ich wusste es nicht, würde wohl aber eine Grenzerfahrung werden. Kurzerhand wurde das Schulzimmer zur Autobahn umgebaut, welche mit einer Sitzblockade gesperrt werden sollte. Fest zusammenhaltend stellten wir uns der herannahenden Blechlawine und den gepanzerten Polizisten. Alles verlief in geordneten Bahnen, wäre da nicht die hysterische Frau (sie nehme es mir nicht übel) gewesen, die die Polizisten beleidigte und mit Gegenständen bewarf. Was ist mit dieser Frau zu tun? Der Polizei ausliefern und dadurch uns selber verraten? Echt schwer! Wir unternahmen nichts! Das Peacekeeping hatte versagt, in den eigenen Reihen verraten.

So wie an diesem Beispiel geübt geht es an vielen Demonstrationen. 30 000 Menschen können mit guten Absichten für ihr Anliegen demonstrieren. Es reichen 200 Gewaltbereite aus, die ganze Demo in ein schlechtes Licht zu rücken. Eine nächste Frage: Was ist eigentlich der Anreiz, Gewalt an einer Demo zu zeigen? Nach Ansicht einschlägiger Gruppen kann erst über Gewalt das nötige Medienecho erzielt werden. Sind wir bereits in dieses Verhalten gerutscht? Haben wir das etwa durch unser Leseverhalten zu verschuldet?

Von der Theorie zur Praxis. Auf an die Demo, um die Anliegen des SUFO’s in die Welt hinaus zu tragen, den letzten Konsumfreudigen St. Gallern in der Innenstadt zu zeigen, dass es auch anders möglich wäre. Im Grunde wäre es eine bunte Demo geworden, genau so bunt wie unsere Gesellschaft, hätte sich nicht eine Gruppe autonomer Linker ganz in Schwarz unter die Menge gemischt, um auch ihre Anliegen Kund zu tun. Eigentlich hatten wir Glück, dass alles friedlich verlief, und doch gingen die Argumente des SUFO`s leider in der schwarzen Masse fast unter. Der verantwortliche Polizist meinte nur: "Schade. Es hätte eine so schöne Demo werden können".

Nachdem St. Gallen nun wusste, was SUFO ist, war es an der Zeit, den Tag mit einem gehörigen Fest abzuschliessen. Südamerikanischer HipHop und argentinischer Ska erfüllten die Nacht vor dem Blumenauschulhaus und in der Grabenhalle bis zu später Stunde.

Ein spannender und erlebnisreicher Tag neigt sich dem Ende zu. Da bleibt nur noch zu hoffen, dass das SUFO auch im nächsten Jahr Interessierten eine Plattform bietet, über die Brennpunkte unserer Welt zu diskutieren.

Der Vollmond zieht über die Dächer der Stadt, während ich den Heimweg unter die Füsse nehme und langsam in der lauen Nacht versinke.