2006-06-12
SUFO – Das Podium

Schneller, weiter, höher - bis zur Explosion. Fluch und Segen der Ökonomisierung unserer Gesellschaft. Kein einfaches Thema, daher umso spannender den unterschiedlichen Meinungen der Forumsteilnehmer zuzuhören, zumal deren Ansichten unterschiedlicher nicht sein könnten.

Am Abend des ersten WM-Spiels fragt sich, was wichtiger ist: Den frenetischen Fussballfans beizuwohnen oder sich mit dem Wohl der Menschheit auseinander zu setzen. Nicht zu denken, dass Fussball wichtiger sein soll, als das Geschehen um uns herum. Jedenfalls waren wohl nicht alle gleicher Meinung mit mir!

Beim eigentlichenThema wird über jene Männer und Frauen diskutiert, die unser Leben massgeblich beeinflussen, mit ihren Beziehungen den Welthandel prägen und, je nach Ansichtsache, die Ursache für Missverhältnisse sind. Wer ist nun aber der Böse und wer der Gute? So klar lässt sich das objektiv betrachtet nicht sagen, was auch der eine oder andere Teilnehmer am Ende der Runde zugeben musste. Denn so einfach ist das Thema nicht, so gross nämlich, dass über vieles diskutiert werden konnte. Es zeichneten sich zwei Hauptthemen ab: die globale Ökumenisierung im Speziellen in China und die Spitzenlöhne unserer Manager – ein schon fast zu Tode getragenes, aber immer noch aktuelles Thema.

Ist China nun zu vergleichen mit der CVP (kommunistisch = kopfchristlich), oder ist China einfach nur ein Land wohl erzogener Diktatoren? Meines Erachtens ist China ein Produkt der Europäer, ein Land mit schier unermesslichen Ressourcen an Arbeitern, die die Arbeit fast ohne Lohn erledigen, für welche die Unternehmen in Europa niemanden finden würden. Also doch die wohl erzogenen Diktatoren, die sich der Macht der reichen Staaten beugen, und ihr Land und dessen Bewohner für ein paar Dollar verhökern? Dies war schon immer so, mögen die einen sagen, dass unter Diktatoren (kommunistisch) eigentlich nur ganz wenige vom System profitieren. Hans Rensch (freier Unternehmensberater und Projektleiter bei Avenir Suisse, Ökonom) meinte dazu, dass eine Demokratisierung eigentlich nur eine Frage der Zeit sei. Frei nach dem Motto, zuerst das Geld, dann die Stimme. Wie geht es in dieser Geschichte eigentlich dem Volk, den Bauern im Hinterland? Was ist Wohlstand? Wenn ich Essen und ein Dach über dem Kopf habe. Da kann die Wirtschaft noch so lange sagen, die Arbeiter verdienen mehr als vorher, zu fragen ist jedoch unter welche Umständen!

Geld ist nicht alles, macht es jedoch einfacher. Im Beispiel von Brasilien bedeutet Wohlstand etwa, wenn das Land genug Geld hat, sich eigene Lebensmittel anzupflanzen, um so unabhängig von der Aussenwelt zu werden. Erwähnt sei an dieser Stelle, dass Brasilien nicht dem IWF (internationaler Währungsfond) angehört und somit unabhängig ist. Die Welt scheint nicht gerecht zu sein, wo bleibt da die Moralvorstellung davon, dass es allen gut gehen soll?

Wie steht eigentlich der bestverdienende Schweizer, Marcel Ospel (mehr als 20 Millionen pro Jahr), zur Ökonomisierung? Wohl gar nicht, denn so lang der Lohn stimmt, ist alles ok. Haben wir denn auch in der Schweiz ein solches Missverhältnis wie etwa in China? Ja, denn dass jemand 500 Mal mehr als ein normaler Arbeiter arbeitet, kann nicht aufgehen. Oder sind wir alle nur neidisch auf den Ospel? Steht die Arbeit noch in einem Verhältnis zum Lohn? Tut er das eigentlich jemals? Wenn zum Beispiel die Näherin eines Schweizer Fussballtrikots gerade mal 30 Rappen für ihre Arbeit bekommt, und wir hier dafür 100 Franken auf den Tisch legen müssen?

Es gibt noch so vieles, worüber gesprochen werden müsste, oder noch besser, vieles, was geändert werden müsste. Jedenfalls war es spannend, dem Fussball für drei Stunden zu entflohen zu sein und unterschiedlichste Standpunkte gehört zu haben. Schade eigentlich nur, dass die Diskussion auf einem sehr hohen Niveau gehalten wurde, so dass ich am Schluss niemanden finden konnte, der behauptete, alles verstanden zu haben.

Auf geht`s zum eigentlich Forum am Samstag, zu welchem der heutige Abend sicher einiges an Denkanstössen gegeben hat.