2006-12-14
Lyrik des Internets
Doch was sind Brickfilme überhaupt? Sie gehören zwar zu den Urgesteinen des Internets, doch im Grunde haben sie nicht viel mit dem Netz zu tun. Brickfilms – zusammengesetzt aus dem englischen Wort für Steine und einer Anspielung auf Trickfilme – sind in Stop-Motion-Technik animierte Filme mit Lego-Figuren, die in überwiegend aus Legosteinen erbauten Kulissen agieren.
Was beim Trickfilm populär ist, macht auch keinen Halt vor den Brickfilmen. Das Element der Hand des Zeichners (hier des LEGO-Bauers) im Film wurde schon so oft und auf vielfältige Weise umgesetzt. Wie bei allen Brickfilmen betrachtet man schnell die Mikroperspektive der Lego-Figuren als "normal". Umso interessanter ist es, wenn die Hand des Schöpfers ins Geschehen eingreift und dem staunenden Zuschauer der Perspektive- und Proportionswechsel zwischen animierter Legowelt und realer Welt in aller Radikalität deutlich macht, so dass sich der Betrachter im wahrsten Sinne des Wortes wie in Jonathan Swift`s "Gullivers Reisen" fühlt.
Doch was ist aus den Internet-Hypes geworden? Weshalb gehören Brickfilme gerade nicht dazu? Weil sie sich gegenseitig zu neuen Höhen antreiben, weil sie im fliessenden Wechsel mal die Rollen von Produzenten, Kritikern und Lehrern einnehmen. All das könnte die Vision für die Zukunft Realität werden lassen, so dass einige der heutigen Brickfilmproduzenten die nächste Generation von Musikvideo-Regisseuren der Güteklasse von David Fincher, Spike Jonze oder Michel Gondry sein könnten.
Der konstruktive und freundschaftliche, mitunter fast liebevoll zu bezeichnende Umgang der Brickfilmemacher miteinander macht Mut, dass heutige Eltern sich keine Sorgen darum machen müssen, dass ihre vor dem Computer sitzenden Kinder intellektuell und kommunikativ verarmen.
