2006-09-07
Geschichte um uns – nicht weit und man findet Spuren vergangener Zeiten
Vor rund 230 Jahren, Ende des 18. Jahrhunderts. Abt Beda lässt in St. Gallen ungemeine Bauwerke und Strassen erstellen, welche auch heute noch das Stadtbild prägen. Nebenbei sei erwähnt, dass er das grösste Finanzloch in den Kassen der Abtei hinterliess. Jedenfalls bildete er den Grundstein für das Wachstum der Stadt, so dass um 1860 mit der aufkommenden Stickereiindustrie die nötige Infrastruktur mit der Zürcher- und Burgstrasse gegeben war. Dort, wo ich heute wohne, war damals von einer Stadt noch weit und breit nichts auszumachen, ausser Wald. Im nahe gelegenen Waldau-Quartier, dessen Name mit dem damaligen Landschaftsbild, eines Baches mit feuchten Auen, geprägt wurde, wurde innerhalb weniger Jahre aus Sumpf Bauland gemacht, und Unmengen an Wohnungen erstellt. Um genau zu sein wurde in jener Zeit eine Dichte von rund 470 Personen pro Hektar erreicht. Eine Erklärung gefällig, wie das überhaupt möglich ist? Man nehme an, dass sich 30 Personen eine 5-Zimmerwohnung teilten, mehr muss nicht gesagt werden.
Eins nahm mich dann aber doch noch Wunder. Was war eigentlich dort, wo heute unser Haus steht? Heute nennen wir es Feldli oder Sömmerli. Sonnen kann man sich hier gut und ein Feld war`s wohl auch, wohl ein ganz kleines. Der Name „Feldli“ ist im Übrigen schon seit 1281 überliefert, also weit vor der Zeit der Stickerei.
Dass an dieser Stelle, an der ich nun bin, vor mehr als 800 Jahren schon was war, weiss ich seit ich vor ein paar Jahren bei Bauarbeiten in zirka zwei Metern Tiefe ein Huf eines Pferdes aus vergangener Zeit gefunden habe. In der heutigen Zeit eigentlich fast unmöglich, seine Umgebung anders wahrzunehmen. Und doch – vielleicht sieht man die Stadt dann in einem ganz anderen Licht.
Eins sollte noch gesagt werden. Auch wenn heute St. Gallen für viele auf der Landkarte keines Fleckes würdig ist, so war um 1850 die Gallusstadt, zusammen mit Paris und München, Europas Kulturhauptstadt. Wie schnell sich das ändern kann.
